Zum Inhalt
Bytewahl

Den IT-Partner wechseln, ohne dass der Betrieb stillsteht

Kaum ein Betrieb wechselt die IT-Firma aus einer Laune. Meist hat sich über Monate etwas angestaut, oder der bisherige Betreuer hört auf. Hier steht, was Sie vor der Kündigung klären, wie Sie die neue Firma auswählen und wie die Übergabe abläuft, damit am Montagmorgen alle ins E-Mail kommen.

Bytewahl · aktualisiert am · 9 Minuten Lesezeit

5
Phasen
von der Bestandsaufnahme bis zum Abschluss
12
Wochen
Richtwert für einen geordneten Wechsel
32
Punkte
auf der Übergabe-Checkliste

Anzeichen, dass ein Wechsel ansteht

Ein einzelner schlechter Tag ist kein Grund. Ein Wechsel kostet Zeit und Geld, und die neue Firma braucht Monate, bis sie Ihren Betrieb so gut kennt wie die alte. Wenn aber mehrere der folgenden Punkte seit einem halben Jahr zutreffen, wird es mit Zuwarten meist teurer.

  • 1

    Dieselbe Störung kommt wieder

    Der Drucker, das WLAN im Lager, die Anmeldung am Morgen. Es wird geflickt, die Ursache bleibt.

  • 2

    Sie warten auf Antwort

    Tickets bleiben tagelang liegen, am Telefon ist niemand, der Ihren Betrieb kennt.

  • 3

    Rechnungen ohne Erklärung

    Stunden ohne Beschrieb, Pauschalen, von denen niemand weiss, was sie abdecken.

  • 4

    Niemand kann Ihnen die IT zeigen

    Keine Dokumentation, keine Geräteliste, und die Admin-Passwörter hat nur der Dienstleister.

  • 5

    Der Betrieb ist gewachsen, die IT-Firma nicht

    Ein Einzelbetreuer für 25 Arbeitsplätze hat keine Vertretung bei Ferien oder Krankheit. Umgekehrt ist ein Betrieb mit vier Personen bei einem grossen Haus oft ein kleiner Kunde.

  • 6

    Sicherheit ist nie ein Thema

    Niemand spricht über Updates, Zwei-Faktor-Anmeldung oder darüber, ob das Backup sich wiederherstellen lässt.

Sprechen Sie das zuerst an, schriftlich und mit einer Frist. Manches löst ein klares Gespräch. Ändert sich innert zwei bis drei Monaten nichts, haben Sie die Antwort.

Was Sie vor der Kündigung klären

Die Reihenfolge entscheidet. Wer zuerst kündigt und danach merkt, dass die Domain auf den Dienstleister läuft, verhandelt aus einer schwachen Position. Klären Sie das Folgende, solange das Verhältnis noch normal ist.

Laufzeit und Kündigungsfrist

Lesen Sie den Vertrag und die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Gesucht sind die Mindestlaufzeit, die Kündigungsfrist, der Kündigungstermin, die verlangte Form und eine allfällige automatische Verlängerung. Betreuungsverträge, Lizenzen, Hosting und Telefonie haben oft je eigene Fristen. Was gilt, steht in Ihrem Vertrag. Bei Unklarheiten lohnt sich eine Auskunft bei einer Juristin oder einem Juristen, bevor Sie kündigen.

Wem was gehört

WasSo prüfen Sie esSo sollte es sein
DomainHalter-Eintrag im Konto beim RegistrarIhr Betrieb ist Halter, der Dienstleister höchstens technischer Kontakt
Microsoft 365Admin-Center, Rollen und AbrechnungEin globaler Administrator gehört dem Betrieb
LizenzenRechnungen und LizenzportaleSie wissen, welche auf Sie lauten und welche gemietet sind
Admin-KontenListe vom Dienstleister verlangenAlle Konten sind bekannt, keines ist an eine Privatperson gebunden
BackupsVertrag und SpeicherortGeregelt, wie Sie bei Vertragsende an Ihre Daten kommen
DokumentationNach dem aktuellen Stand fragenSie liegt bei Ihnen, in einer Form, die eine andere Firma lesen kann

Verlangen Sie fehlende Zugänge und die Dokumentation vor der Kündigung. Als Begründung reicht, dass Sie für den Notfall vorsorgen wollen, und das stimmt auch. Ob der Dienstleister die Übergabe als Aufwand verrechnen darf und in welcher Form er Unterlagen liefert, regelt der Vertrag.

Die neue IT-Firma auswählen

Wer nach drei Jahren nicht wieder wechseln will, sucht eine Firma, die zur Grösse und zum Alltag des Betriebs passt. Der tiefste Stundensatz sagt darüber wenig.

  • Grösse

    Fragen Sie, wie viele Kunden Ihrer Grösse die Firma betreut und wer einspringt, wenn Ihre Ansprechperson fehlt.

  • Reaktionszeit

    Verlangen Sie eine Zahl im Vertrag. Reaktionszeit heisst, dass sich jemand meldet, und nicht, dass die Störung behoben ist.

  • Weg zu Ihnen

    Eine Firma mit einer Stunde Anfahrt kommt seltener vorbei und verrechnet den Weg. Für Server, Netzwerk und Drucker zählt die Nähe.

  • Referenzen aus Ihrer Branche

    Treuhand, Arztpraxis und Schreinerei haben je eigene Software. Rufen Sie zwei Referenzkunden an und fragen Sie nach dem letzten Ausfall.

  • Preismodell

    Stundenansatz, Stundenpaket oder Monatspauschale pro Arbeitsplatz. Entscheidend ist, was in der Pauschale enthalten ist.

  • Sicherheit und Backup

    Lassen Sie sich zeigen, wie Updates, Überwachung und Wiederherstellung ablaufen und wie oft ein Restore geprüft wird.

Eine seriöse Offerte nennt den Leistungsumfang Punkt für Punkt, die Reaktionszeiten, die Kosten für die Übernahme, die Ansätze ausserhalb der Pauschale, die Laufzeit und die Regeln für das Vertragsende. Wie Sie mehrere Offerten nebeneinanderlegen, steht im Ratgeber IT-Offerten vergleichen, und was übliche Ansätze sind, in Was IT-Support ein KMU kostet.

Anbieter nach Leistung finden Sie für IT-Support, Managed IT Services und Microsoft 365, nach Ort zum Beispiel im Kanton Luzern, im Kanton Zug, im Kanton Zürich oder im Kanton Aargau.

Der Wechsel in zwölf Wochen

So verläuft ein Wechsel in einem Betrieb mit 5 bis 30 Arbeitsplätzen häufig. Die zwölf Wochen sind ein Richtwert aus der Praxis und keine Regel. Eine lange Kündigungsfrist verlängert den Ablauf, ein Betreuer, der Ende Monat aufhört, verkürzt ihn.

  1. Woche 1 bis 2

    Schritt 1: Bestandsaufnahme

    Vertrag lesen, Systeme und Zugänge auflisten, festhalten, was fehlt.

  2. Woche 3 bis 5

    Schritt 2: Offerten

    Wenige passende Firmen anfragen, vor Ort zeigen, was da ist, Referenzen anrufen.

  3. Woche 6

    Schritt 3: Entscheid und Kündigung

    Zuerst den neuen Vertrag unterschreiben, dann kündigen und den Übergabetermin festlegen.

  4. Woche 7 bis 10

    Schritt 4: Übergabe

    Zugänge, Dokumentation und Lizenzen übergeben, Backup testen, Überwachung der neuen Firma einrichten.

  5. Woche 11 bis 12

    Schritt 5: Parallelbetrieb und Abschluss

    Beide Firmen erreichbar, danach Passwörter ändern, alte Fernwartung entfernen, Protokoll unterschreiben.

Legen Sie die Umstellung nicht in den Jahresabschluss, in die Lohnläufe oder in Ihre strengste Saison. Bestimmen Sie im Betrieb eine Person, die den Wechsel führt. Die neue Firma übernimmt die Technik. Die Entscheide und das Nachfassen bleiben bei Ihnen.

Checkliste für die Übergabe

Gehen Sie die Liste mit der neuen Firma durch und geben Sie der bisherigen früh bekannt, was Sie bis wann brauchen. Die Haken bleiben in Ihrem Browser gespeichert.

Checkliste als eigene Seite
0 von 32 erledigt
1. Zugänge
2. Passwörter und Admin-Rechte
3. Dokumentation
4. Lizenzen
5. Backup und Restore-Test
6. Domain und DNS
7. Microsoft-365-Tenant
8. Hardware-Inventar
9. Offene Tickets
10. Parallelbetrieb

Typische Fehler

  • 1

    Kündigen, bevor die neue Firma feststeht

    Die Frist läuft, und Sie unterschreiben unter Zeitdruck das erstbeste Angebot.

  • 2

    Zugänge erst am letzten Tag verlangen

    Fehlt dann ein Passwort, ist niemand mehr zuständig. Verlangen Sie alles zu Beginn der Übergabe.

  • 3

    Nur den Preis vergleichen

    Zwei Pauschalen mit demselben Betrag können ganz Verschiedenes enthalten. Vergleichen Sie den Umfang.

  • 4

    Das Backup ungeprüft übernehmen

    Dass eine Sicherung läuft, heisst nicht, dass sie sich zurückspielen lässt. Der Test gehört in die Übergabe.

  • 5

    Passwörter nicht ändern

    Nach dem Abschluss hat die bisherige Firma sonst weiterhin Zugriff, auch ohne böse Absicht ein Risiko.

  • 6

    Die Mitarbeitenden vergessen

    Wer am ersten Tag nicht weiss, wen er anrufen soll, ruft die alte Nummer an.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Wechsel der IT-Firma?

Für einen Betrieb mit 5 bis 30 Arbeitsplätzen sind rund zwölf Wochen von der Bestandsaufnahme bis zum Abschluss ein brauchbarer Richtwert. Die eigentliche Übergabe braucht davon etwa vier Wochen. Länger dauert es, wenn die Kündigungsfrist lang ist oder die Dokumentation fehlt.

Muss die bisherige IT-Firma Passwörter und Dokumentation herausgeben?

Die Systeme gehören Ihrem Betrieb, und ohne Administrator-Zugänge können Sie sie nicht betreiben. In welcher Form, bis wann und zu welchen Kosten die bisherige Firma Zugänge und Unterlagen übergibt, richtet sich nach Ihrem Vertrag. Verlangen Sie beides früh und schriftlich. Kommt es zum Streit, holen Sie rechtlichen Rat ein.

Wem gehört die Domain, wenn die IT-Firma sie registriert hat?

Massgebend ist, wer beim Registrar als Halter eingetragen ist. Steht dort die IT-Firma, lassen Sie den Halter auf Ihren Betrieb ändern, solange die Zusammenarbeit noch läuft. Der Registrar erklärt, welche Bestätigung er dafür braucht.

Was kostet der Wechsel?

Die neue Firma verrechnet die Übernahme meist als Pauschale oder nach Aufwand, weil sie Ihre Umgebung aufnehmen, dokumentieren und in ihre Überwachung einbinden muss. Die bisherige Firma kann die Stunden für die Übergabe in Rechnung stellen, wenn der Vertrag das vorsieht. Verlangen Sie in jeder Offerte eine eigene Position für die Übernahme.

Sollen wir der bisherigen Firma sagen, dass wir Offerten einholen?

Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Ist das Verhältnis intakt, ist ein offenes Gespräch fair und führt manchmal dazu, dass sich etwas bessert. Sichern Sie in jedem Fall vorher die Administrator-Zugänge und die Dokumentation.

Anbieter finden, die zu Ihrem Betrieb passen

Der Anbieter-Finder startet mit der Ausgangslage «Anbieter wechseln». Sechs Fragen, danach sehen Sie, welche IT-Firmen passen und warum.

Anbieter-Finder starten

Weitere Ratgeber